Nach
seinem Erstwerk "NONA" stellt Mikal Numa Shayegi in mehreren
Städten sein neues Werk "kur un wahn" vor. Die lyrischen
Reflexionen der
vorliegenden Sammlung ›kur un wahn‹ haben in seltsam
einfühlender
Weise ein zentrales Thema des Denkens aufgegriffen. Sie
zeigen die Grenzen menschlicher Sprache angesichts der Allmacht
und Unbegreiflichkeit eines Gottes, der mit dem
Begriff Ghaib, ›göttliches Geheimnis‹ umschrieben
wird.
Mikal Numa Shayegis Verse entbinden
das Wort von seiner Bedeutung
und entziehen der Bedeutung ihre Bestimmung. Als Heimatloser, dem
die Geborgenheit des bedeutungsvoll Verstandenen fremd ist, hört
er das Wort und versteht es doch nicht. Als Fremder in der eigenen
Sprache – Dichter wider Willen – war ihm das Wort nur
als Wort
gegeben, noch bevor ihn die Welt lehrte, die Dinge zu verstehen.
Im Riss, welcher die Stimme des Wortes und die Bedeutung der Welt
trennt, liegt die Unmöglichkeit seines Schreibens, die tragische
Schönheit seiner Dichtung.
Diese Verse, die wir nochmals und
nochmals rezitieren, scheinen
uns zu sagen, dass im Anfang die Stimme des Wortes war, dem das
Denken folgen musste – und von dem es nicht mehr weiß,
dass es
ihm Gefolgschaft zu leisten hat. Die Verse, die sich hier entfalten,
folgen einer Spur, die die Musik des Wortes als – zu verlierenden
–
Ursprung des Denkens annimmt. Wie aus einem fernen Land verlorener
Zeit erklingt eine alte Melodie, eine säuselnde Stimme, die
fremdartiger, verstörender und anziehender nicht erklingen
kann.
»Der Autor [...] schafft
ein Sprachkunstwerk seltener Ausprägung,
das mit großem Bilderreichtum und existentiellen Gegenläufigkeiten
ausgestattet ist. Jeder Sinnsuchende und Verirrte oder Verwirrte
kann Trost finden, obwohl dem lyrischen Ich nicht geholfen wurde.
Die Aneinanderkettung der Sätze und Wortkaskaden, deren Ver-
formungen und semantische Durchleuchtung sind gekonnt und poetisch.
Ist man beim ersten Satz noch verwirrt und will das Buch mit
dem Prädikat ›modernes Wortgeklüngel‹ abtun,
wird man schnell
eines Besseren belehrt. Die Sprache ist aufgefeilt und ausgedünnt
auf das Wesentliche, so dass wir diese Reduzierung und ungewohnte
Mehrdeutigkeit einer poetischen Sprache erst wieder und erarbeiten
müssen. Ein interessantes, inspirierendes lyrisches Werk [...].«
Eva Riebler in: etcetera, Nr. 31, März 2008
Mikal Numa Shayegi (Dipl.-Jurist),
geboren 1979 in Mashad (Iran)
als Sohn eines russischen Vaters und einer persischen Mutter,
seit 1988 im Exil in Deutschland, lebt und arbeitet in Frankfurt/Main.
NONA, 1. Aufl. 2007, 72 Seiten, Format 20 x 12 cm
ISBN 978-3-89896-293-3, Broschur, 9,90 Euro
kur un wahn, 1. Aufl. 2008, 80
Seiten, Format 20 x 12 cm
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